HAFE BROCKI BASEL · DREI AFFEN, FÜNF SPIEGEL

Der Klammeraffe und der Blick zwischen den Wörtern.

Vom Loslassen, liebevollen Hinsehen und den Schätzen neben dem Weg.

Drei kleine Affenfiguren unter altem Holz in der Hafe Brocki

Drei Figuren gibt es auf den Fotos wirklich. Der Klammeraffe und der eilige fünfte Affe sind erdachte Begleiter dieser Hafenfabel.

Unter einem alten Stück Holz sassen drei kleine Affen. Einer hielt sich die Augen zu, einer den Mund, einer die Ohren. Hinter ihnen trugen ihre Mäntel bunte Kreise, als hätte jemand Landkarten für innere Reisen darauf gezeichnet.

«Eine erstaunlich ruhige Sitzung», sagte Mads. «Bei uns schafft das nicht einmal der leere Stuhl.»

Rico legte ein Krümelchen Käse vor die drei. «Ich prüfe nur, ob sie wirklich nichts mitbekommen.»

Drei Affenfiguren und ein Klammeraffe lassen Rico und seinen Käse einen Moment innehalten.
Zwischen Sehen, Hören und Reden bleibt Platz fürs Verstehen.

Da kam ein vierter Affe in die Geschichte. Auf dem Foto war er nicht zu sehen. Er wohnte dort, wo viele von uns ihn kennen: in den Händen, die etwas nicht loslassen können. Er klammerte sich an ein altes Tau. «Das hat mich schon immer gehalten», sagte er. Das Tau lag längst lose am Boden.

«Und was hältst Du jetzt fest?», fragte Arno.

«Dass es wieder so wird wie früher.»

Niemand zog ihm das Tau aus den Fingern. Bodhi rückte nur eine kleine Schale näher. «Du musst nicht alles auf einmal loslassen. Vielleicht öffnest Du heute einen Finger.»

Der Klammeraffe öffnete den kleinen Finger. Zum ersten Mal spürte er, dass auch die Luft etwas tragen konnte: einen Atemzug zum Beispiel.

Gerade wollte Arno sich setzen, da kletterte der Klammeraffe auf seine Schulter. An seinem Arm hing ein Beutel voller kleiner Zettel: «Müsste noch», «Ganz dringend», «Du kannst das so gut».

«Trägst Du den auch noch? Nur ein kleines Stück», bat er.

Arno spürte schon das vertraute Nicken in seinem Hals. Dann hielt er inne. «Ich höre Dir gern zu. Aber ich übernehme Deinen Beutel heute nicht.»

«Dann lässt Du mich allein?»

«Ich bleibe einen Moment bei Dir. Wir können schauen, womit Du selbst beginnen kannst.»

Der Affe rutschte auf die Bank. Gemeinsam sortierten sie die Zettel. Einer gehörte tatsächlich zu Arno; den nahm er. Den anderen gab er zurück, ohne ihn dem Affen vor die Füsse zu werfen.

Bodhi nickte. «Du darfst jemandem nah sein, ohne sein ganzes Gepäck zu schultern.»

«Ich bin Hafenkater», sagte Arno. «Keine Spedition für sämtliche Sorgen am Rhein.»

Der Klammeraffe lächelte zaghaft. Sein erster eigener Schritt war klein. Aber er gehörte ihm.

Ein fünfter Affe eilte vorbei. Auch er gehörte zur Geschichte, nicht zu den drei Figuren. Er sah geradeaus, genau auf seinen Weg. Neben dem Kies lag eine Feder; er bemerkte sie nicht. Auf dem Tisch stand eine Tasse mit einem Sprung; für ihn war sie nur kaputt. Auf einem Zettel las er: «Mir geht es gut.» Er nickte und wollte weiter.

«Hast Du die kleine Pause vor dem Gut gehört?», fragte Mads.

«Da steht keine Pause.»

«Manches steht nicht da», sagte der Basilisk. «Trotzdem darfst Du freundlich danach fragen. Zwischen den Wörtern wohnen Möglichkeiten, keine Beweise.»

Der fünfte Affe blieb stehen. Er hob die Feder auf. Dann fragte er leise: «Möchtest Du mir erzählen, wie es Dir geht?» Und wartete, ohne die Antwort vorwegzunehmen.

Unter dem Holz bewegte sich etwas. Der erste Affe nahm eine Hand von den Augen. «Ich wollte mich vor dem Dunklen schützen. Dabei habe ich auch das kleine Licht verpasst.»

Der zweite löste die Hände vom Mund. «Ich wollte nichts Verletzendes sagen. Aber mein Danke ist dabei auch stecken geblieben.»

Der dritte machte ein Ohr frei. «Ich wollte den Lärm nicht hören. Jetzt würde ich gern wissen, wer neben mir so leise seufzt.»

«Ihr dürft die Hände auch wieder schliessen, wenn es zu viel wird», sagte Bodhi. «Eine offene Tür braucht ein Scharnier. Keine Pflicht, immer offen zu stehen.»

Der Klammeraffe legte sein Tau neben sich. Der fünfte setzte sich einen Augenblick abseits seines geraden Weges. Mads schaute über den Rhein. Arno hörte zu. Rico betrachtete den Käse.

«Nur damit wir uns verstehen», sagte Rico. «Loslassen ist eine schöne Sache. Beim letzten Käsekrümel möchte ich aber eine Einzelfallprüfung.»

Als die Hafencrew später die drei Figuren umdrehte, leuchteten die bunten Muster auf ihren Rücken. Sie waren die ganze Zeit da gewesen. Man hatte nur einmal den Blick wechseln müssen.

Die bunt verzierten Rückseiten der drei AffenfigurenDrei Affen aus einer anderen Perspektive am roten HafentischDie drei Affenfiguren vor dem rostroten Container

Weitergedacht aus Michèles persönlichem Beitrag über Verantwortung, Grenzen und Selbstführung: Der Klammeraffe auf LinkedIn ↗

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