HAFE BROCKI BASEL · PURA VIDA AM RHEIN

Der Flamingo, der die Palmen warten liess.

Über Fernweh, zwei standfeste Füsse und das kleine Glück, schon da zu sein.

Rosa Flamingo aus filigranem Metall vor der rostroten Containertür

Der rosa Flamingo stand vor der offenen Containertür. Auf den Brettern glänzte noch der Regen. Sein Gefieder war aus filigranem Metall, hier und da hatte das Wetter kleine Spuren hinterlassen. Durch die Zwischenräume schimmerte das Licht. Er sah aus, als hätte jemand ein Stück Sommer am Hafen abgestellt.

«Du hast Dich wohl im Reiseziel geirrt», sagte Mads. «Die Palmen sind heute aus.»

Der Flamingo sah zum Blätterdach hinauf. «Das hier bewegt sich auch schön im Wind.»

«Und der Sand?»

«Knirscht hier ein bisschen grösser.»

Rico nickte. «Basler Kies. Sehr exklusiv. Man trägt ihn bis ins Wohnzimmer.»

Der Flamingo musste lachen. Dann betrachtete er die offene Tür. Drinnen warteten Stühle, Tassen und Dinge, deren Namen niemand auf Anhieb wusste. Er war noch nie an einem Ort gewesen, an dem so vieles bleiben durfte, obwohl es nicht zusammenpasste.

«Ich dachte immer, ich müsste erst irgendwo anders sein», sagte er. «Weiter südlich. Wärmer. Ein bisschen näher an meinem richtigen Leben.»

Arno hob den Kopf von seiner Boje. «Ich habe mein richtiges Leben vorhin fast verschlafen. Es lag genau hier.»

«Du schläfst ständig», rief Frechspatz.

«Deshalb kenne ich mich mit dem Hier besonders gut aus.»

Fred brachte eine kleine Schale, in der sich Regenwasser gesammelt hatte. Der Flamingo beugte den langen Hals. Darin spiegelten sich ein Stück Himmel, die rostrote Tür und sein rosa Schnabel.

«Für den Anfang reicht mein Teich», sagte Fred. «Beim Meer wäre die Miete ohnehin schwierig.»

Der Flamingo blieb. Nicht für immer, das wusste er noch nicht. Erst einmal für diesen Nachmittag.

Kalle schaukelte leise im Luftzug. «Wenn Du Dich unbedingt verändern willst, könnte ich Dir Aufblasen zeigen.»

«Ich würde lieber lernen, mich nicht dauernd nach einem anderen Ort zu sehnen.»

Bodhi lächelte. «Du darfst Dich sehnen. Vielleicht kannst Du trotzdem einen Augenblick hier trinken.»

Da kam Wind auf. Er rüttelte an der Tür und liess ein paar Blätter über die Bretter tanzen. Der Flamingo blickte auf seine langen Beine.

«Müsste ich nicht auf einem Bein stehen, um gelassen auszusehen?»

Der Basilisk legte einen Stein vor die Tür, damit sie nicht zuschlug. «Heute sind zwei eine gute Idee.»

Arno rückte seine Boje zurecht. «Haltung darf bequem sein.»

Rico stellte sich dicht neben den Flamingo. «Ich passe auf den linken Fuss auf. Der rechte wirkt erfahren.»

Der Wind legte sich. Niemand hatte eine Prüfung bestanden. Niemand war plötzlich vollkommen ruhig. Aber die Tür war offen geblieben, und Rico stand noch immer neben dem linken Fuss.

«Pura Vida», sagte der Flamingo leise.

Mads schaute sich um. «Hier?»

Der Flamingo nickte. «Mit den nassen Brettern. Mit Euch. Und mit dem Gedanken, dass ich gerade nichts verpasse.»

Michèle und Pascal kamen mit zwei Tassen an die Tür. Einer erzählte etwas, der andere lachte. Aus dem Container fiel ein schmaler Streifen warmes Licht auf das Holz.

Der Flamingo blickte noch einmal zum Himmel. Das Fernweh war nicht verschwunden. Es hatte sich nur hingesetzt, zwischen Dankbarkeit und einer kleinen Lust auf morgen.

«Bleibst Du noch?», fragte Fred.

«Ja», sagte der Flamingo. «Die Palmen können warten.»

Rico sah erleichtert zu seinen Füssen hinunter. «Gut. Ich bin hier gerade erst eingearbeitet.»

Rosa Metall-Flamingo vor der offenen rostroten Containertür auf regennassen Holzbrettern
Zwei Füsse im Hafen. Ein bisschen Sommer im Herzen.
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