HAFE BROCKI BASEL · EIN KLEINES LÄCHELN HAT ANGELEGT

Der kleine Buddha und das Glück dazwischen.

Ein angehobener Fuss. Eine lange Liste. Und ein guter Augenblick, der nicht warten wollte.

Fröhliche kleine Buddhafigur mit Perlenkette im alten Holz neben einer Laterne

Zwischen altem Holz und einer Laterne sass ein kleiner Buddha, als hätte er gerade einen guten Witz gehört, den der Rest der Welt erst morgen verstehen würde. Ein Bein hielt er in die Luft. Die Blätter fielen um ihn herum, und keines musste sich dafür entschuldigen.

Mads landete neben ihm. Unter dem Flügel trug er einen Zettel. Darauf stand: «Was heute noch besser werden muss.» Der Zettel war so lang, dass sein Ende im Kies lag.

«Du siehst zufrieden aus», sagte Mads. «Bist Du schon mit allem fertig?»

«Nein.»

«Hast Du wenigstens angefangen?»

Der Kleine deutete auf ein Blatt, das sich in seiner Armbeuge verfangen hatte. «Ich habe das hier landen sehen.»

Mads schaute auf seine Liste. Dafür gab es kein Kästchen.

Rico kam dazu, eine Brotkruste im Arm. «Ich dachte, für Zufriedenheit braucht man erst einen vollen Vorrat.»

«Eine Brotkruste kann ein guter Anfang sein», sagte der Kleine.

«Sie ist für später.»

«Wann ist später?»

Rico sah die Kruste an. Dann biss er ein winziges Stück ab. Nur zur Qualitätskontrolle, wie er später behaupten würde.

Arno streckte sich unter dem Holz. «Und warum hältst Du ein Bein hoch?»

«Weil nicht jeder Augenblick beide Füsse auf dem Boden braucht.»

«Endlich sagt es jemand», murmelte Arno und legte gleich alle vier Pfoten übereinander.

Da fiel Mads ein, weshalb er überhaupt gekommen war. An diesem Morgen hatte ihm jemand gesagt, er sei zu laut. Seither hatte er jeden seiner Sätze im Kopf noch einmal durchgesprochen. Jetzt platzte es aus ihm heraus. «Du kannst leicht lächeln. Du musst niemandem etwas beweisen.»

Der kleine Buddha wurde still. Er hörte zu, bis Mads nichts mehr nachschieben musste.

«Das hat Dich getroffen», sagte er.

Mads nickte.

«Du musst jetzt nicht fröhlich werden. Bleib erst einmal hier.»

Eine Weile hörten sie nur den Rhein. Rico kaute ausnahmsweise leise. Arno tat so, als schlafe er, rückte aber ein Stück zur Seite.

Dann löste sich der lange Zettel unter Mads’ Flügel. Der Wind hob ihn an, wickelte ihn einmal um Ricos Brotkruste und legte sich wieder.

Rico blickte auf das Paket. «Sehr gut. Meine erste amtlich bewilligte Zwischenmahlzeit.»

Mads lachte. Erst kurz, dann richtig. Die Bemerkung vom Morgen war noch da. Aber für einen Augenblick hatte daneben auch etwas anderes Platz.

«Muss ich die Liste jetzt wegwerfen?», fragte er.

«Du könntest sie später fertig schreiben», sagte der Kleine. «Gerade sitzt Du hier.»

Mads faltete den Zettel. Diesmal passte er unter seinen Flügel, ohne über den Boden zu schleifen. Rico brach ein Stück Brot ab und legte es zwischen sie.

Als die Laterne am Abend Licht fing, sass der kleine Buddha noch immer im alten Holz. Er hielt kein Schild hoch. Niemand musste lächeln. Doch wer vorbeikam, fand einen Platz, an dem der Tag für einen Moment nichts von ihm wollte.

Diese Hafenfabel teilen ↗
FacebookWhatsApp

Für Deinen Facebook-Beitrag: Werbetext kopieren, Facebook öffnen und dort einfügen. Für Instagram kannst Du Text und Link ebenfalls kopieren.