Pura Vida & Gelassenheit · ca. 3 Minuten

Der Panther, der dem Wind nichts beweisen musste

Eine Hafenfabel über Leichtigkeit, Coolness und einen Hut mit Wassererfahrung.

Der Panther, der dem Wind nichts beweisen musste

Eines Abends fegte der Rheinwind durch den Holzpark. Er rüttelte an den Containertüren, scheuchte eine Serviette über den Kies und versuchte, dem rosaroten Panther den Zylinder vom Kopf zu pusten.

Der Panther hielt ihn mit zwei Fingern fest. Dann lehnte er sich wieder an seine Laterne.

«Wie kannst Du bloss so cool bleiben?», rief Frechspatz. «Hier fliegt gleich alles davon!»

«Deine Serviette ist schon unterwegs», sagte der Panther.

Rico jagte hinterher. «Da war noch Käse drin!»

Mads landete mit zerzausten Federn auf dem Tisch. «Ich habe drei Anflüge gebraucht. Du könntest wenigstens so aussehen, als wäre es anstrengend.»

Der Panther strich seinen karierten Mantel glatt. «Das habe ich früher oft gemacht. Es war erstaunlich anstrengend.»

Frechspatz plusterte sich auf. Er wollte ebenfalls lässig wirken, verschränkte die Flügel und lehnte sich an eine leere Konservendose. Die Dose rollte weg. Der Spatz gleich hinterher.

Niemand lachte. Bis er selber lachte.

«Gut», sagte er aus dem Kies. «Der Auftritt hatte noch etwas Luft nach oben.»

Der Panther reichte ihm die Pfote.

«Ich dachte, wer cool ist, dem passiert so etwas nicht», murmelte Frechspatz.

«Mir ist gestern der Hut in den Putzeimer gefallen.»

«Und dann?»

«Habe ich ihn herausgefischt. Würde muss gelegentlich trocknen.»

Arno öffnete ein Auge. «Endlich erklärt jemand meine Schlafpausen.»

Da fiel ein warmer Lichtstreifen auf Michèles selbst gemaltes Bild. Unter seiner Laterne standen vier eigenwillige Gestalten beisammen. Einer spielte Saxofon. Einer zeigte das Friedenszeichen. Keiner schien darauf zu warten, endlich jemand anderes zu werden.

Frechspatz rückte näher. «Die sehen aus, als hätten sie es leicht.»

«Vielleicht», sagte der Panther. «Vielleicht haben sie einander auch einfach einen Platz freigehalten.»

Mads betrachtete das Bild. Dann rückte er auf dem Tisch ein Stück zur Seite, damit der zerzauste Spatz neben ihm sitzen konnte.

Rico kam mit der Serviette zurück. Vom Käse fehlte jede Spur.

«Verlustmeldung?», fragte Arno.

«Erfolgreiche Bergung», sagte Rico und wischte sich die Schnauze ab.

Der Wind rüttelte noch einmal an der Tür. Frechspatz zuckte zusammen. Dann atmete er aus und blieb sitzen.

Der Panther hing den feuchten Hut über die freie Pfote. Mit schiefen Haaren sah er ein wenig weniger vornehm aus. Frechspatz mochte ihn so lieber.

Unter der Laterne wurde Platz für einen ziemlich unperfekten Abend.

Ein Gedanke zum Mitnehmen: Du darfst etwas ernst nehmen, ohne Dich dabei schwer zu machen. Manchmal beginnt Leichtigkeit mit einem Atemzug, einem Lachen über Dich selbst – und jemandem, der ein Stück zur Seite rückt.

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