
Tom steht in unserer Brocki im blauen Anzug, die Hand lässig auf einer gelben Kugel. Ein Fuss ist angehoben, als hätte er noch etwas vor. Seine Farbe hat kleine Lücken. Sein Lächeln nicht. Wo er vorher unterwegs war, wissen wir nicht. Diese Hafenfabel beginnt hier – zwischen alten Dingen, die noch lange nicht alles erzählt haben.
Als Pascal und Michèle eines Abends die Containertüren schlossen, räusperte sich Käpt’n Frechspatz. «Du siehst aus, als hättest du einen Plan.» Tom betrachtete seine weissen Schuhe. «Ich habe einen Standpunkt. Das wird gern verwechselt.»
Rico lugte hinter einer Kiste hervor. «Du bist doch der mit den Mäusen?» – «Heute bin ich der mit der Kugel.» Rico atmete auf. «Eine erfreuliche berufliche Neuorientierung.»
Tom wollte zeigen, wie elegant er durchs Leben ging. Er nahm Schwung, hob den Fuss – und geriet in seiner eigenen Vorstellung prompt ins Wackeln. Die Kugel war kein guter Ort für grosse Gewissheiten. Mads schwieg höflich. Ganze zwei Sekunden.
«War das Absicht?» fragte sie. Tom strich über die abgeplatzte Farbe an seinem Ärmel. «Bis vorhin noch nicht. Jetzt gehört es zur Choreografie.»
Frechspatz lachte. Dann sah er die kleinen Macken genauer an. «Stören die dich nicht?» Tom wurde still. Draussen zog der Rhein an den Containern vorbei, ohne eine einzige Welle zurückzuholen.
«Manchmal», sagte Tom. «Aber ich muss mich nicht erst ausbessern lassen, um hier stehen zu dürfen.» Er lehnte die Hand wieder auf die gelbe Kugel. Das Licht blieb auch auf den abgeriebenen Stellen liegen.
Dann raschelte es hinter einer Kiste. Tom hob den Kopf. Rico hielt den Käse fest. Ein grauer Schatten huschte durch den Gang: eine Maus. Tom brauchte nicht zu überlegen, was er früher getan hätte. Gerade deshalb blieb er einen Moment länger stehen.
Tom blieb stehen. «Heute nicht.» – «Du lässt sie einfach laufen?» fragte der Spatz. «Sie weiss offenbar, wohin sie will. Ich möchte erst einmal wissen, wohin ich will.»
Mads nickte. «Sehr vernünftig. Meine Richtung ist der nächste Snack.» Rico war bereits unterwegs. Aus reiner Richtungsforschung, wie er betonte.
Später, als hinter den Türen nur noch leise Geräusche wohnten, sass Frechspatz einen Moment bei Tom. Er erzählte von einem Gespräch, das ihm misslungen war. Tom hörte zu, ohne sofort eine Pointe hineinzuschieben. Manchmal war das seine coolste Bewegung: einfach bleiben.
Am nächsten Morgen stand er wieder da: blauer Anzug, weisse Schuhe, gelbe Kugel. Ein bisschen Patina. Viel Präsenz. Als würde er jedem, der hereinkam, zutrauen, noch etwas Neues zu versuchen. Auch mit einem Fuss, der gestern falsch gelandet war.
Tom könnte der Maus hinterherrennen. Er kennt diese Geschichte schon. Heute bleibt er bei der gelben Kugel und überlegt, was er selbst noch vorhat.